Alle Musher treffen sich im Gemeindehaus in Haines Junction und nach einer kurzen Einweisung in die Regeln und die Streckenführung kommen wir zur Auslosung der Startnummern.
Ich ziehe die Startnummer 1 – ein erfahrener Musher wäre glücklich gewesen über diese Nummer, denn so kann er vor dem Feld herfahren und muss sich nicht mit Überholmanövern aufhalten. Nicht so ich, denn dies ist mein allererstes Hundeschlittenrennen und mein Ziel ist einfach ankommen – somit muss ich nun also damit rechnen, dass ich oft überholt werde.
Wir begeben uns zum Startplatz, lassen die Hunde aus den Boxen und machen sie am Truck fest. Ich lade den Schlitten vom Dach, lege die Zugleine und die Geschirre bereit und dann bleibt mir eigentlich nur noch auf meine Startzeit zu warten.
Während ich meine Hunde streichle und massiere kreisen meine Gedanken um das bevorstehende Rennen. Werde ich mit meinen Hunden zurechtkommen? Werden Sie die ganze Strecke für mich laufen? Werde ich alles richtig machen? Die richtigen Kommandos, zum rechten Zeitpunkt geben? Und die Überholmanöver, egal ob überholt werden oder überholen, werden sie alle ohne Beissereien ablaufen?
So vergeht die Zeit und dann plötzlich ist es soweit – unser Start steht unmittelbar bevor. Jetzt heisst es allen Hunden ihre Geschirr überziehen, sie vor den Schlitten spannen und dann mit Hilfe der Helfer an die Startlinie fahren.
Die Hunde spüren, dass es nun bald losgeht und zerren schon wie wild an den Leinen.
Der Starter zählt die letzten Sekunden herunter 5 – 4 – 3 – 2 – 1 und dann rufe ich meinen Hunden ein “Ready let’s go!” zu, löse die Bremse und mit einem Schlag nehmen wir Fahrt auf, das Bellen der Hunde weicht einem Knirschen des Schnees und wir gleiten den Trail entlang.
Gestartet wird im 2-Minutentakt, doch wir haben nach keine 5 Meilen zurückgelegt, als wir bereits das dritte Mal überholt werden. Damit meine Hunde nicht zu schnell loslaufen stehe ich die ganze Zeit noch etwas auf der Bremse, aber für einen Moment dachte ich wirklich, dass bis zum Ziel alle an mir vorbeigezogen sein würden.
Doch auf den nächsten Meilen werden wir dann nur noch einmal überholt und dieses Gespann können wir etwas später wieder einholen. Nach ca. 25 Meilen überholt uns Sebastian und da meine Hunde ihn natürlich als ihren Boss kennen, nutze ich die Chance und versuche ihm auf den Fersen zu bleiben. Nach 10 Meilen verliere ich ihn dann komplett aus den Augen, auch auf den langen geraden auf- und ab-Strecken kann ich ihn nun nicht mehr sehen.
Meine Hunde laufen wirklich gut und an den Anstiegen versuche ich ihnen durch mitlaufen zu helfen um noch schneller zu werden. Was mich nun erstaunt – weit und breit ist kein anderes Gespann auszumachen und so kommen wir am Etappenziel als vierter über die Ziellinie und wir sollten diesen Platz auch behalten, denn in der nächsten halben Stunde tauchte kein anderes Gespann mehr auf, welches von unsererm Zeitvorteil beim Start hätte profitieren können.
Nachdem ich die Hunde und mich mit Kalorien versorgt hatte suchte ich meinen Schlafsack auf und legte mich zur Ruhe, damit ich auch den morgigen 2ten Renntag gut überstehen kann.